IVW-Imkerbrief 2020-12

Die Meteorologen haben einen neuen Begriff geprägt: „Novemberfrühling“. Passender kann man die Klimaentwicklung im vorletzten Monat dieses Jahres kaum beschreiben. Die Quckesilbersäule macht im Rhein-Main-Gebiet Sprünge von knapp 20 Grad plus, um dann in der nächsten Nacht unter die Frostgrenze zu sinken. Ein auf und ab, das nicht nur den Organismus von uns Menschen belastet, sondern auch den unserer Bienen. Noch Mitte des Monats konnte man an sonnigen Tagen mittags viele Arbeiterinnen dick mit Pollen beladen auf dem Flugbrett beobachten – sicheres Zeichen dafür, dass noch Brut versorgt werden musste. In der zweiten Monatshälfte wurde es dann kälter – so wie wir es eigentlich vom Nebelmonat erwarten. Aber wie sich das Wetter im Dezember entwickelt, steht noch in den Sternen. Gut wäre es, wenn mit einer Kälteperiode eine Brutfreiheit in den Völkern eintreten würde, denn im Dezember steht die Restentmilbung an.

Am Bienenstock
Wir empfehlen, die Restentmilbung mit Oxalsäure als Träufelbehandlung mit Oxalsäuredihydrat-Lösung 3,5% ad. us. vet. (Serumwerk Bernburg) bzw. Oxuvar (Andermatt BioVet AG) durchzuführen, um unseren Völkern einen möglichst milbenarmen Start in die Saison zu ermöglichen.
Vor und nach der Behandlung sollte unbedingt eine Gemülldiagnose durchgeführt werden. Sie lässt erkennen, wie stark das Volk von Varroen befallen ist und wie gut unsere Behandlung wirkt. Sichtbar wird auch, wo es sitzt und wie viele Wabengassen besetzt sind. Dazu sollte der Schieber etwa eine Woche einliegen.

Liegt der natürliche Milbenfall im Dezember unter 0,5 Milben pro Tag, ist keine Behandlung notwendig. Liegt er darüber, wird behandelt!

Eine sehr gute Anleitung und ausführliche Informationen gibt es im Deutschen Bienenjournal unter https://www.bienenjournal.de/imkerpraxis/ratgeber/winterbehandlung-bienen/

Wer sich den Vorgang in einem Video nochmal ansehen will, kann das hier im Portal von Dr. Gerhard Liebig „Immelieb“ tun: https://youtu.be/2GA6KWZn5WI.

Eine Liste der derzeit zugelassenen Varroa-Behandlungsmittel ist unter https://deutscherimkerbund/168-Downloads
zu finden.

Aus dem Verein
Unsere lang geplante Jahresabschlussfeier ist – wie vieles andere auch – leider den Corona-Schutzmaßnahmen zum Opfer gefallen. Wir bedauern das sehr, aber die Gesundheit geht vor.

Im Moment ist es auch schwierig, gemeinsame Aktionen und Veranstaltungen für das Frühjahr zu planen. Trotzdem schauen wir optimistisch in die Zukunft und hoffen, dass sich die Situation im kommenden Jahr bessert. Im Vorstand werden wir uns Anfang Januar eingehender darüber unterhalten, wie wir unseren Mitgliedern den gewohnten Service und die Beratung unter Beachtung der dann geltenden Regeln sicherstellen können. Wir werden auch darüber sprechen müssen, ob und wie wir unsere alljährliche Mitgliederversammlung durchführen können.
Erstmals hat der Vorstand auch „virtuell“ in einer Online-Videokonferenz getagt und dabei das Programm getestet – ein viel versprechender Versuch, der allerdings das direkte Miteinander nur eingeschränkt ersetzen kann.
Gefreut hat uns, dass die Vereinsmitglieder unser Beratungsangebot in den letzten Monaten verstärkt genutzt haben. Unsere Imkerberater stehen gerne mit Rat und Tat zu allen Fragen der Bienenhaltung, der Gesundheitsvorsorge und bei aktuellen Problemen unterstützend beiseite. (Mail an imkerberater@imkerverein-wiesbaden.de). Themen der letzten Wochen waren vor allem die Varroabehandlung, die Fütterung und die Diagnose von unerwarteten Bienenverlusten (die sich alle als typische Varroa-Schäden entpuppten). In allen Fällen konnten jeweils passende Tipps und Auskünfte gegeben werden.

Jahresbericht des DIB im Download
Die Onlineversion des Jahresberichtes des Deutschen Imkerbunde ist unter https://deutscherimkerbund/304-Taetigkeitsberichte
downloadbar. Ein Blick in diesen Bericht lohnt sich, denn er zeigt, wie vielfältig und wichtig die Arbeit des Verbandes ist – insbesondere auch im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit den Bundesbehörden und den Gremien der EU, wo der Pestizideinsatz in der Landwirtschaft kontrovers diskutiert wird.

Wachsverfälschungen im Blick
Seit 2016 wird unter den deutschen Imkern über Wachsverfälschungen diskutiert – auch bei uns in Wiesbaden. Wir konnten in den vergangenen Jahren einige Fälle beobachten, in denen Mittelwände schlecht ausgebaut wurden oder sogar Brutschäden auftraten. Teilweise brachen die Mittelwände wie Glas. Die betroffenen Imker hatten das Material im Internet bestellt – leider waren auch namhafte Imkerausstatter unter den Lieferanten.
Mittlerweile hat sich die Lage gebessert, aber nach wie vor gibt es keine gesetzlichen Regelungen, die die Wachsqualität sichern. Seitens des D.I.B. wird auf nationaler und internationaler Ebene darauf gedrungen, diese Qualitätsrichtlinien zu erstellen. Unabhängig davon liegt es an uns, die Prinzipien der Wabenhygiene einzuhalten und Einträge von kontaminiertem Wachs in den Kreislauf zu vermeiden. Am einfachsten geht dies, wenn ein eigener Wachskreislauf aufgebaut wird. Hierzu eignet sich eingeschmolzenes Drohnen- und Deckelwachs, Über- oder Naturbau. Der Zusammenschluss von mehreren Imkern ist eine gute Möglichkeit, die von den Aufarbeitungsbetrieben erforderliche Menge zu erreichen. Viele Betriebe bieten auch an, das Wachs im Beisein der Lieferanten zu reinigen und daraus Mittelwände zu erstellen.

Es gibt auch in Hessen Betriebe, die Eigenwachs umarbeiten. Beispielsweise:
Bad Sooden-Allendorf:                  http://www.mittelwandmanufaktur.de/
Butzbach Ebergöns            https://www.bienenzuchtbedarf-seip.de

Tipp: Bei der Bestellung oder beim Zukauf von Mitttelwänden unbedingt das Zertifikat mitgeben lassen!

Adventszeit – Bastelzeit
Die Wochen vor dem Weihnachtsfest eignen sich ganz besonders zum Basteln mit Kindern. Wir Imker haben dafür das beste Material – herrlich duftendes Wachs, aus dem man ganz viele schöne Dekorationen, Kerzen oder Geschenke herstellen kann.

Schöne Geschenke, die immer gut ankommen und auch die Natur schonen, sind Wachstücher, die sich sehr einfach aus Stoffresten und Bienenwachs herstellen lassen.
Hier ist die passende Anleitung: https://deavita.com/selber-basteln/wachstuecher-selber-machen-anleitung-diy.html

Auch Cremes und Lippenpflegemittel, lassen sich mit reinem Bienenwachs produzieren: https://www.smarticular.net/bienenwachs-rezepte-verwendung-verarbeitung-haushalt-kosmetik/

Wie man Bienenwachskerzen herstellt, wird auf dieser Seite gezeigt: https://bienen.info/bienenwachskerzen-selber-machen-einfache-methoden/


Weihnachtsgeschenke für Imker
Na, den Wunschzettel schon geschrieben? Hier zwei Tipps, die das Imkerherz erfreuen….
Ganz besonders lesenswertes Buch und auch wegen der einmaligen Bilder ein wirklich schönes Geschenk, das uns ganz neue Perspektiven eröffnet, ist das Buch

Honigbienen – geheimnisvolle Waldbewohner

von Ingo Arndt und Jürgen Tautz
ISBN-10 : 3957283620, 38 Euro

„Deutscher Imkerkalender 2021“
Deutsches Bienenjournal – 11.90 Euro

Eigentlich ein „Muss“ für jeden engagierten Imker, weil damit die Arbeit am Stock erleichtert wird. Er enthält ein
farbiges Tabellarium für persönliche Aufzeichnungen,

Muster-Stockkarte des D.I.B. sowie 16 Stockkarten,

Futterverbrauch- und Einfütterungstabellen,

Notizen zur Königinnenzucht und Zuchtplan,

Vermehrungstabelle; Infos zu Ablegern und Kunstschwärmen;

Kassenbuch, Inventar-Verzeichnis, uvm.
Man kann den Imkerkalender direkt hier bestellen: https://shop.bienenjournal.de/Deutscher-Imkerkalender-2021#description-tab

Vereins-Marktplatz
Mittelwände abzugeben
Unser Mitglied Wolfgang Streitz hat sich bei der Bestellung seines Bedarf an Mittelwänden verrechnet und verfügt jetzt über eine nicht benötigte Menge, die er zum Selbstkostenpreis gerne abgeben möchte. Interessenten melden sich unter wolfgang.streitz@t-online.de.

Verkaufszelt preisgünstig zu verkaufen
Ehrenmitglied Helmut Habel hat bekanntlich seine Imkerei aufgeben. Die Imkereigeräte haben alle eine weitere Verwendung gefunden. Im Restbestand befindet sich aber noch ein sehr gut erhaltenes wetterfestes Verkaufszelt im Maß 2×3 Meter nebst einer stimmungsvollen Beleuchtung. Interessenten melden sich unter info@imkerverein-wiesbaden.de.



Wir wünschen allen Imkerinnen und Imkern sowie allen unseren Unterstützern, Freunden, und Sponsoren eine ruhige Adventszeit und ein schönes Weihnachtsfest, vor allem aber Gesundheit!

Der Vorstand