IVW-Imkerbrief 2020-11

Liebe Imkerinnen und Imker in Wiesbaden, etwas früher als gewöhnlich liegt der Imkerbrief für den Monat November im Postfach unserer Mitglieder. Das hat natürlich seine Gründe: Zum einen wollen wir zeitnah überaktuelle Entwicklungen im Verein berichten, denn die Corona-Pandemie macht die persönlichen Kontakte schwierig , zum anderen wollen wir aber auch Praxisfragen beantworten, die in der letzten Zeit vermehrt bei unseren Imkerberatern und Bienensachverständigen eingegangen sind.

Am Bienenstock
Mittlerweile ist es ruhig an den Bienenstöcken. Zwar fliegen an warmen, sonnigen Tagen immer noch einige Arbeiterinnen aus und bringen dicke Pollenpakete mit – Zeichen dafür, dass immer noch etwas Brutbetrieb herrscht-, aber die Völker sind (hoffentlich!!) varroabehandelt und aufgefüttert. Zeit also, die Restarbeiten zu machen und den Winter vorzubereiten.
Zunächst gilt es ungebetene Gäste auszusperren. Die Fluglöcher bleiben offen und mit Mäusegittern versehen. Die Nager schätzen nämlich die ideale Kombination von Schlaf- und Speisezimmer.
Wer in der Nähe alter Streuobstwiesen oder am Waldrand seine Völker stehen hat, sollte auch darauf achten, dass die Beuten spechtsicher gemacht werden. Picus veridis, der Grünspecht, hat auch bei uns in den letzten Jahren entdeckt, dass die Bienenkisten mit leckerem Futter gefüllt sind. Die fliegenden Zimmerleute brauchen nicht lange, um in die Holz- oder Kunststoffbeuten ein großes Loch zu hacken und sich Nahrung zu holen. Dass dabei das Volk massiv geschädigt werden kann, liegt auf der Hand.
Im Herbst werden die Diagnosebretter entfernt, aber mindestens drei Tage im Monat wieder eingeschoben, um den natürlichen Milbenfall zu kontrollieren. Ist der Milbenfall deutlich erhöht (zurzeit mehr als fünf Milben pro Tag) sollte eine Sprühbehandlung mit Oxalsäure erfolgen. Sie erreicht zwar nicht die Brut, da diese aber schon deutlich reduziert ist, sitzen die Plagegeister überwiegend auf den Winterbienen und sind damit für die Behandlung gut erreichbar. Alle Völker, bei denen wir im Dezember mehr als eine Milbe pro Tag zählen, werden bei niedrigen Temperaturen (am besten um den Gefrierpunkt) mit Oxalsäure beträufelt, um die Milbenlast noch einmal zu reduzieren und den Bienen einen guten Start in die neue Saison zu ermöglichen. Hierzu mehr im nächsten Imkerbrief.

Kurs-Anmeldeportal des LHI ist geöffnet
Vom 20.10. bis 20.12.2020 wird das Bewerbungsportal für die vom Landesverband angebotenen Kurse unter www.hessische-imker.de frei geschaltet. Mitglieder des Imkervereins Wiesbaden können sich für den gewünschten Kurs bewerben.
Wir empfehlen allen Neumitgliedern, insbesondere all denen, die noch wenig Erfahrung haben, sich für diese Kurse zu bewerben. Sie bieten eine gute Grundlage für ein erfolgreiches Imkern.
https://www.hessische-imker.de/page/externe_Skripte/Kursportal_2019/LHI_Kursbuchung.php

Imker doch nicht gegen Corona immun.
Ende April 2020 erschien in der Zeitschrift Toxicon der Bericht über eine Studie aus China.(Wir haben darüber im Imkerbrief berichtet.)Sie behauptete, dass kein Imker bislang an COVID-19 erkrankt ist, auch nicht in der am stärksten betroffenen Provinz Wuhan. Insgesamt wurden in dieser Studie 5.115 Imker interviewt (723 in Wuhan). Auch 121 Patienten von Apitherapiezentren wurden analysiert. Obwohl einige Personen engen Kontakt zu infizierten Personen hatten, soll niemand an COVID-19 erkrankt sein. Die chinesischen Wissenschaftler Yang und Mitarbeiter stellten in ihrer Arbeit die Hypothese auf, dass möglicherweise die Toleranz gegenüber Bienengift einen Schutzmechanismus gegenüber der Infektion mit Coronaviren darstellt. Sie hielten ihre Daten für so überzeugend, dass sie der Meinung waren, man sollte sofort mit Experimenten an Affen beginnen, um die Hypothese zu bestätigen. 

Aus Sicht von Prof. Dr. Karsten Münstedt, den wir von seinem Vortrag in Wiesbaden kennen, war die Schlussfolgerung von Yang und Mitarbeitern verfrüht. Eine bestätigende Studie an einem unabhängigen Kollektiv wurde als eine sinnvollere Alternative angesehen und die deutsche Imkerschaft gebeten, sich an einer ähnlichen, aber detaillierteren Studie zu beteiligen. Nach Klärung der ethischen Voraussetzungen begann die Studie im Juni 2020. Auch der Imkerverein Wiesbaden hat sich daran beteiligt.

Wenn man bedenkt, dass zumindest statistisch etwa 500 Imkerinnen und Imker deutschlandweit hätten erkranken müssen, zeigt unsere Untersuchung, dass viele Imkerinnen und Imker erreicht wurden. Die Ergebnisse können folgendermaßen zusammengefasst werden:

  • 2 Imker sind an der Coronavirusinfektion gestorben, obwohl sie als langjährige Imker regelmäßig Bienenstiche bekommen haben.
  • 45 Imkerinnen und Imker haben eine Coronavirus-Erkrankung durchgemacht.
  • 99 Imkerinnen und Imkergaben an, trotz unmittelbarem Kontakt mit Corona-infizierten Personen im privaten oder beruflichen Umfeld nicht am Coronavirus erkrankt zu sein.
  • 90 Imkerinnen und Imker hatten fraglich Kontakt mit Corona-infizierten Personen im privaten oder beruflichen Umfeld und sind nicht am Coronavirus erkrankt.

Weder die Gesamtzahl der Bienenstiche, die die Imker jemals hatten, noch die Zahl der Bienenstiche, die die Imker im Jahre 2020 erlitten, noch die Reaktion auf die Bienenstiche (Immunität gegen das Bienengift) konnten als Faktoren identifiziert werden, die einen Einfluss auf die Coronavirus-Erkrankung hatten. Im Durchschnitt hatten die Imker etwa 567 Bienenstiche und 28 im Jahre 2020. Weitere Analysen bei den von Corona betroffenen Imkern zeigten, dass Imker, die auf Bienenstiche im Sinne einer stärkeren lokaleren Schwellung auf Bienenstiche reagieren, auch eher vermehrt unter Abgeschlagenheit und Halsschmerzen reagieren. Da Imker, die vermehrt von Bienen gestochen werden, auch eher geringer auf Bienenstiche reagieren, spielt möglicherweise die Reaktionsbereitschaft des Immunsystems eine Rolle.

Insgesamt konnten die Ergebnisse der Studie von Yang nicht bestätigt werden. Da die deutsche Studie die Situation wesentlich detaillierter untersucht hat und auch ein deutlich größeres Kollektiv von Imkern erreicht hat, werden diese Ergebnisse für aussagekräftiger gehalten. Die Ergebnisse wurden von unabhängigen Experten geprüft und wurden in einer Fachzeitschrift publiziert.

Wenngleich diese Ergebnisse im ersten Moment enttäuschen mögen, sind sie dennoch wichtig. Wären diese Befunde nicht erhoben worden, würden sich möglicherweise weltweit Imker, die von der Studie von Yang gehört haben, auf einen direkten schützenden Einfluss durch die Immunität gegenüber Bienengift verlassen. Sie wären im Fall des Kontaktes mit infizierten Personen dann mit der Erkrankung konfrontiert, die in einigen Fällen Langzeitfolgen hinterlässt.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Bienengift nicht doch sinnvoll sein könnte. Bislang wurde das Coronavirus noch nicht auf Sensibilität gegenüber Bienengift getestet. Eine aktuelle Arbeit bestätigt die Wirksamkeit von Bienengift gegen eine Vielzahl von Viren. Interessant ist vor allem eine Arbeit zum Betaarterivirus suid, des Erregers des Reproduktions- und Atemwegssyndroms der Schweine, in der gezeigt wurde, dass das Bienengift den Schweregrad der interstitiellen Lungenerkrankung positiv beeinflusst. Diese tritt auch bei der Coronavirus-assoziierten Lungenentzündung auf und ist für besonders schwere Verläufe kennzeichnend, die vielfach zum Tode führen. Insofern könnte Bienengift tatsächlich sinnvoll sein, denn das Betaarterivirus suid ist mit dem Coronavirus verwandt.

Da mehrere Personen angeregt haben, unsere Studie auch auf andere Bienenprodukte zu erweitern, möchten die deutschen Wissenschaftler diesem Wunsch gern aufgreifen und in einer Anschlussstudie weitere Fragen klären. Interessant ist unter anderem die Frage, ob möglicherweise Bienenstiche zum Zeitpunkt eines Kontaktes mit dem Coronavirus hilfreich sein könnten. Aber auch die Fragen zum vorbeugenden Wert von Propolis u.v.a.m. sollen hier geklärt werden. Professor Münstedt würde sich freuen, wenn er zahlreiche Rückmeldungen zu diesen ergänzenden Fragestellungen bekommen würde, auch von den Imkerinnen und Imkern, die bereits an der ersten Studie teilgenommen haben.
An der Studie wirkten mit: Dr. Heidrun Männle, Prof. Dr. Jutta Hübner, Prof. Dr. Karsten Münstedt.

Vereinsnachrichten

Ergebnisse der Vorstandssitzung
Die aktuelle Pandemiesituation hat den Vorstand in seiner letzten Sitzung lange beschäftigt: Einerseits würden wir gerne wieder zu einem geregelten Vereinsleben zurückkehren, Stammtische veranstalten und uns zum Erfahrungsaustausch treffen, andererseits haben wir auch die Aufgabe unsere Mitglieder – und auch uns selbst – zu schützen. Der versuchsweise im August veranstaltete Stammtisch hat im Freien stattgefunden – dabei wurde uns auch klar, dass wir unter den gegebenen Umständen und Regeln auf Zusammenkünfte verzichten müssen, wenn diese in Räumen stattfinden. Insbesondere, weil die Infektionszahlen exorbitant steigen und Wiesbaden „rotes Gebiet“ ist.
Hinzu kommt, wenn der Wirt den großen Saal des Gasthauses wirtschaftlich betreiben will, braucht er eine Mindestzahl von Gästen – diese kollidiert aber mit den Vorgaben des Gesundheitsamtes, denn Mindestabstände und Festlegungen müssen eingehalten werden, zumal wir damit rechnen müssen, dass in Wiesbaden die Vorschriften wegen der hohen Infektionsrate weiter drastisch verschärft werden.…
Wir haben deshalb schweren Herzens beschlossen, auf Treffen – insbesondere, wenn sie in Räumen stattfinden müssten, zu verzichten. Das heißt: Keine Stammtische, keine Jahresabschlussfeier.
Auch die immer wieder an uns herangetragene Frage, ob im Frühjahr ein Kursus „Praxis imkern“ stattfinden wird, können wir im Moment noch nicht beantworten. Ausschlaggebend werden die Pandemie-Situation und die daraus resultierenden Regeln im Frühjahr sein. Wir werden auf der Homepage des Vereins und in den Imkerbriefen rechtzeitig informieren. Vereinsmitglieder, die sich für den Lehrgang in diesem Jahr angemeldet haben, werden, wenn sie dies möchten, vorgezogen, denn wir haben nur eine begrenzte Zahl an Ausbildungsplätzen.

Im Frühjahr ist der Tisch für die Bienen im Aukamm gedeckt
Erfreulich war die Beteiligung am letzten Pflegetag im „Bienenpark Aukamm“. Knapp 20 Helferinnen und Helfer haben drei Stunden lang das Gelände winterfest gemacht und 1200 Blumenzwiebeln in der Erde versteckt. Krokusse, Winterlinge, Narzissen und Tulpen sollen im Frühjahr unseren Bienen einen reichlich gedeckten Tisch bieten. Auch wurden die ersten vier Beutenständer gebaut.
Um die Schauvölker zu pflegen, die wir unseren Besuchern zeigen, haben wir einen „Standimker“ im Aukamm installiert. Sabine Rückeshäuser wird die Völker betreuen. Als Anerkennung für ihre Arbeit kann sie eigene Völker im Bienenpark aufstellen.

Imker dürfen weiterhin Feldwege benutzen
Die Landeshauptstadt Wiesbaden plant die Einführung einer neuen Satzung, die die Nutzung von Feldwegen mit Fahrzeugen regeln soll. Bereits im Vorfeld haben wir direkten Kontakt zum zuständigen Dezernenten Andreas Kowol aufgenommen, denn die Imkerinnen und Imker, die ihre Stände im Außenbereich haben, müssen die Feldwege nutzen, um ihre Völker zu betreuen. Zwar war im Entwurf der Satzung festgehalten, dass Imker zum Nutzerkreis der Feldwege gehören, aber es war nicht klar ersichtlich, ob sie auch von den deutlich erhöhten Nutzergebühren ausgeschlossen sind. Wir haben deshalb den Umweltdezernenten erneut angeschrieben und darauf aufmerksam gemacht, dass die geplanten Gebühren dazu führen könnten, dass Bienenstände im großen Umfang aufgegeben werden und damit eine flächendeckende Bestäubung landwirtschaftlicher Flächen nicht mehr gegeben sein könnte.
Erfreulicherweise haben wir sehr schnell eine Antwort erhalten: Auch in Zukunft werden die Wiesbadener Imkerinnen und Imker die Feldwege nutzen und keine Gebühren bezahlen müssen. Wir bedanken uns bei Andreas Kowol und seinem Stab für die Berücksichtigung unseres Anliegens herzlich.
Sobald die Satzung beschlossen wird, informieren wir über die genauen Modalitäten.

Auflösung einer privaten Imkerei
Unser Mitglied Rainer Heß muss aus gesundheitlichen Gründen nach fast 50 Jahren seine Imkerei aufgeben. Deshalb verschenkt er zwei Völker, sechs jeweils vierteilige Holzmagazinbeuten im Deutsch-Normal-Maß, eine Dreiwabenschleuder, das Entdeckelungsgeschirr und was sonst noch alles dazu gehört. Gerne würde er damit

einem Anfänger oder auch einem anderen Vereinsmitglied eine Freude machen. Rainer Heß ist unter der Rufnummer 0611 -560556 zu erreichen Seine mobile Nummer ist 0176/41064412.

Wir wünschen Euch einen ruhigen und gesunden November

Der Vorstand