IVW-Imkerbrief 2020-04 II

+Corona stoppt Vereinsarbeit + Am Bienenstock + Beuten kennzeichnen + Keine Wanderung ohne Gesundheitszeugnis + Geräteverleih + Imker-App verschafft Übersicht + Schwarmnotruf ab Mitte April aktiv + Honigmacher und Homeoffice + Ostergruß

Liebe Imkerinnen und Imker,

es gibt Momente, da macht es richtig Spaß, unseren Verein zu leiten. Beispielsweise dann, wenn man angesichts der Corona-Krise darum bittet, dass sich Vereinsmitglieder melden, um eventuell den Imkerinnen und Imkern zu helfen, die erkrankt, oder weil sie sich in Quarantäne befinden, ihre Völker augenblicklich nicht betreuen können. Die Resonanz auf unseren Aufruf war beeindruckend und stimmt hoffnungsfroh: Eine ganze Reihe von Imkerinnen und Imkern haben ihre Hilfe angeboten! Glücklicherweise müssen wir bis zur Stunde noch nicht helfen. Aber allein das Wissen, dass wir in der Lage sind, uns gegenseitig zu unterstützen, ist beruhigend und ist ein deutlicher Beweis dafür, dass wir eine gute Gemeinschaft pflegen.

Corona stoppt weiterhin Vereinsarbeit
Leider hat die Virus-Krankheit Corona uns immer noch voll im Griff. Mit Rücksicht auf die Gesundheit der Mitglieder haben wir bis auf weiteres alle Themen-Stammtische abgesagt. Auch die Pflegetage im Aukamm liegen auf Eis (was allerdings Arbeitswütige nicht hindert, alleine, allenfalls mit einem Partner, beispielsweise den Rasen zu mähen).
Wir werden versuchen, den Kontakt über die Imkerbriefe, die wir öfter als normal versenden, die entstandene Informationslücke zu schließen.
Bei imkerlichen Fragen bitten wir direkt Kontakt zu unseren Imkerberatern über eine Mail an imkerberater@imkerverein-wiesbaden.de aufzunehmen. Wie wir mit dem „Praxiskurs imkern“ umgehen, werden wir kurzfristig entscheiden.
Ansonsten bitten wir Euch: Haltet Abstand zu Dritten (gerade, weil uns normalerweise gerne der eine oder andere Interessierte einmalbei der Arbeit zusehen)  und beachtet die Hygieneregeln. Achtet auf Eure Gesundheit und die von anderen!

Am Bienenstock
Während in den östlichen Stadtteilen bereits der Raps kurz vor der Blüte steht und die Obstblüte beginnt, ist in den höher gelegenen Stadtteilen das Nektarangebot noch relativ überschaubar. Das Wiesbdener Stadtgebiet erstreckt sich über gut vierhundert Höhenmeter – das macht schon einen deutlichen Unterschied im Frühlingsfortschritt aus.

Wie sich die Lage eines Standes auf das Leben im Bienenstock auswirkt, haben wir einmal mit Hilfe von „Trachnet“ dargestellt, in dem wir die Nektareinträge von Ständen auf 80 Meter Höhe (entspricht Wiesbaden Ost) und auf 180 Meter, vergleichbar mit Wiesbaden Rambach) gegenüber gestellt haben. Deutlich sind die Unterschiede zu erkennen:

Waage auf 80 Meter/NN

Waage auf 180 Meter/NN

Während die in den niedrig gelegenen Stadtteilen die Völker bereits nennenswerte Tracht eintragen und auch die kalten Nächte der letzten Tage gut verkraftet wurden, zehren die „Höhenvölker“ noch vom Vorrat. Entsprechend dürfte auch die Völkerentwicklung sein. Die „Tieflandvölker“ explodieren jetzt geradezu und haben reichlich Brut, die „Bergvölker“ brauchen noch ein wenig Zeit.

Auch die Temperaturen haben sich sehr unterschiedlich entwickelt. In Delkenheim hatten wir während der letzten Tage nur leichten Frost bis minus drei Grad registriert. Tagsüber wurden in der Sonne bis zu 14 Grad gemessen. In Rambach fiel das Thermometerdagegen auf minus sechs bis acht Grad, am Tag stieg das Quecksilber auf maximal sechs bis acht Grad. Im Tal flogen die Bienen, auf der Höhe blieben sie im Stock…

Entsprechend ist auch die Trachtentwicklung. In den ackerbaulich geprägten rheinnahen Gebieten blüht bereits der Raps und das Nektarangebot ist bis hin zur Obstblüte überaus reichlich. Für die „Bergvölker“ gilt noch „Schmalhans Küchenmeister“: Hier sind die Frühblüher die weitgehend einzige, begrenzt verfügbare, Nektarquelle.

Die Wetterprognose für die nächsten vierzehn Tage sieht gut aus:


In Rambach liegen die vorausgesagten Temperaturen nur wenig unter der oben gezeigten Kurve.

Angepasst müssen wir Imker reagieren: Wo der zweite Brutraum schon gut besetzt ist, kann der Honigraum über Absperrgitter aufgesetzt werden. Wo das nicht der Fall ist, muss man noch warten. Allerdings nicht zu lange. Es gilt die Regel: Lieber etwas zu früh, als zu spät. Ein Blick unter die Folie reicht zur Beurteilung.Wer dem Honigraum einen Kern von hellen ausgeschleuderten Honigwaben gibt, macht den Bienen die Arbeit leichter und damit auch die Annahme.


Beuten kennzeichnen

Imkerinnen und Imker, die in der freien Landschaft ihre Beuten aufgestellt haben, sind entsprechend der Bienenseuchenverordnung verpflichtet, einen gut sichtbaren und wetterfesten Hinweis auf den Besitzer anzubringen. Er muss mindestens den Namen und eine Kontaktmöglichkeit enthalten. Wie nützlich dieser Hinweis ist, konnten wir im Winter mehrfach feststellen. An mehreren freistehenden Bienenständen in Waldnähe hatten Wildschweine ihre Schwarte gewetzt und dabei die Beuten umgestoßen. Weil kein Hinweis auf die Besitzer angebracht war, mussten wir sehr aufwändige Recherchen anstellen, um die Imker zu ermitteln, damit diese ihre Bienen retten konnten.

Keine Wanderung ohne Gesundheitszeugnis
Wer mit seinen Bienen in Trachtgebiete, die außerhalb von Wiesbaden liegen, wandern will, braucht ein Gesundheitszeugnis, das er dem für das Zielgebiet zuständigen Veterinäramt vor dem Wandern vorlegen muss. Außerdem muss dem Amt der genaue Standort mitgeteilt werden. Dass der Stand gekennzeichnet sein muss, haben wir oben beschrieben.

Geräteverleih
Mitglieder des Imkervereins Wiesbaden haben die Möglichkeit, sich Geräte zur Honiggewinnung oder zur Wachsverarbeitung auszuleihen. Da die Anzahl der Geräte (Schleudern, Entdecklungsgerät, Abfüllkannen, Wachsschmelzer und Mittelwandgießform) begrenzt ist, bitten wir um rechtzeitige Anfrage über die E-Mailadresse materialwart@imkerverein-wiesbaden.de. Dass die Geräte pünktlich zum vereinbarten Zeitpunkt gereinigt zurückgegeben werden, ist selbstverständlich.

Auch der Schleuderraum im Bienenpark Aukamm kann gebucht werden. Wichtig dabei ist, dass ein großer Kanister Trinkwasser mitgebracht wird, um die Geräte anschließend hygienisch zu reinigen.

Imker-App verschafft Übersicht
Die Imker-App des Deutschen Imkerbundes kann die Arbeit mit den Bienen erleichtern, denn die Stockkarten werden darin ganz einfach auf dem Handy und dem PC-geführt. Mehrere Bienenstände mit einer Vielzahl von Völkern lassen sich erfassen und sehr einfach verwalten. Die Daten können auch exportiert und beispielsweise in eine Excel-Datei überführt werden.
Daneben gibt es viele praktische Funktionen: Im „Bienenjahr“ werden die jeweils im Monat anfallenden Arbeiten gut beschrieben. Die Themen Umgang mit den Bienen, Weiselrichtigkeit, Wanderung, Völker auflösen, Fütterung, Wachs und Waben sowie Varroabefallsdiagnose und –behandlung werden im Bereich „Grundlegende Arbeiten“ detailliert erläutert. Besonders informativ und hilfreich ist der Bereich „Bienengesundheit“, weil es hier zu den einzelnen Krankheiten nicht nur eingehende Beschreibungen, sondern auch Fotos gibt, die eine Diagnose sehr erleichtern.
Die App kann man sich für Android-Handys im Play-Store kostenlos downloaden. Ab sofort können auch Nutzer des iOS-Betriebssystems (Apple) mit der App arbeiten.
Zusätzlich gibt es nun eine browsergestützte Version für den Computer, um künftig die dokumentierten Daten unter „Meine Bienen“ auch am PC einpflegen, abrufen bzw. auswerten zu können.
Nutzer gelangen über die D.I.B.-Homepage www.deutscherimkerbund.de oder über https://dib-imker-app.de/ (Login) zu dieser Anwendung. Mit  der Eingabe der E-Mail-Adresse und des Passwortes, das jeder Nutzer der Imker-App auf seinem Smartphone zur Verwendung der digitalen Stockkarte festgelegt hat, werden die entsprechenden Daten vom Smartphone automatisch auf den Computer übertragen und nutzbar gemacht.
***    Beurteilung nach einjährigem Test: Sehr gut und empfehlenswert!!!


Schwarmnotruf-Telefon ab Mitte April aktiv
In den nächsten Tagen werden wir das „Schwarmnotruf-Telefon“ in Betrieb nehmen. Es ist dann unter der Rufnummer 01771671175 erreichbar.

Dankenswerterweise haben sich wieder einige Imker bereit erklärt, das Handy jeweils eine Woche zu übernehmen und bei Anrufen kurzfristig zu reagieren. Ein „Dienstplan“ wird den Schwarmfängern rechtzeitig zugestellt.
Die Rufnummer des Telefons werden wir wieder den Leitstellen der Feuerwehr und der Polizei, dem Bürgertelefon und ESWE mitteilen. Außerdem werden wir die Bevölkerung über die Medien zum Thema „Bienenschwärme“ und dem Berge-Service des Imkervereins informieren.
Auf der Homepage des Imkervereins werden wir ebenfalls die Nummer publizieren.

Honigmacher und Home-Office
Die Corona-Thematik zwingt uns im häuslichen Bereich zu bleiben und soziale Kontakte zu meiden. Dies ist eine ideale Gelegenheit, durch die neu gestalteten Seiten des Honigmachers zu surfen und das eigene Wissen zur Imkerei und Bienenkunde zu vertiefen.
Unser Tipp: Nutzen Sie die freie Zeit und stöbern Sie im „Honigmacher“ nach interessanten Themen. Hier finden Sie viel Wissenswertes und Lernmodule zu folgenden Themen:·Schnupperkurs·Bienenweide·Anfängerschulung ·Fachkundenachweis Honig und Varroamilbe.
Für die drei letztgenannten Module kann man nach erfolgreicher Absolvierung des Lernkurses eine Online-Prüfung ablegen und ein Zertifikat erwerben. So ist der Erwerb des Honigmacher-Zertifikates „Fachkundenachweis Honig“ eine ideale Vorbereitung für die Honigschulungen des Landesverbandes.
www.die.honigmacher.de

Wir wünschen Euch schöne Ostertage. Bitte achtet auf Euch und bleibt gesund!!!

Der Vorstand